FSV-Reserve feiert Last-Minute-Derbysieg gegen Rackwitz

Die Zweite hat am Sonntag dank eines starken Schlussspurts mit 3:2 (0:0) gegen den TSV Rackwitz gewonnen. Dabei lagen die Krostitzer eine Viertelstunde vor Schluss bereits scheinbar hoffnungslos mit 0:2 zurück.

Wann hat man so etwas im Kurt Fuchs-Stadion zuletzt erlebt? Selbst eingefleischte FSV-Fans waren sich nach dem 3:2-Sieg der FSV-Reserve im Kreisderby gegen den TSV Rackwitz einig, dass sie schon lange keine so dramatische Partie mehr im Bierdorf gesehen haben. Denn was der FSV am Sonntag zeigte, wird in die Geschichtsbücher des Krostitzer Fußballs eingehen.

Trainer Andreas Schlosser konnte im Gegensatz zum Eilenburg-Spiel vor einer Woche diesmal wieder auf einen großen Kader und eine gut besetzte Bank zurück greifen. Lediglich Ron Stephan fehlte wegen seiner fünften Gelben Karte. Dafür kehrte Mario Göbel nach abgesessener Rot-Sperre zurück ins Team.

Nach den Ergebnissen vom Samstag standen die Bierdörfler unter hohem Erfolgsdruck und mussten gegen den Nachbarn aus dem Alu-Dorf unbedingt gewinnen. Dementsprechend offensiv stellte Schlosser seine Mannschaft auf und ließ neben Göbel mit Nico Müller und Marco Wünsch noch zwei weitere Stürmer von Beginn an ran.

Beide Teams beginnen nervös

Aber zunächst war von einem Offensiv-Feuerwerk wenig zu sehen. Beiden Mannschaften merkte man die Nervosität an, schließlich ging es nicht nur um drei Punkte, sondern auch um jede Menge Prestige.

Die Partie spielte sich hauptsächlich zwischen den beiden Strafräumen ab und wenn sich doch einmal ein Ball aufs Tor verirrte, hatten weder Tom Röthel im FSV-Kasten, noch sein Gegenüber Danny Matyniak größere Probleme.

Größter Aufreger der ersten Halbzeit war ein überhartes Foulspiel von Daniel Kaupert in Höhe der Mittellinie, das Schiedsrichter Ronny Hartung zum Glück für den FSV nur mit Gelb ahndete.

Kaupert vergibt die größte Gelegenheit

Eben jener Daniel Kaupert war es dann auch, der kurz vor dem Pausenpfiff die bis dahin größte Chance des Spiels hatte. Aber nachdem sich Nico Müller auf der linken Strafraumseite gut durchgesetzt hatte und den Ball quer zur Grundlinie in die Mitte passte, verstolperte Kaupert drei Meter vor dem leeren Tor den Ball kläglich (43.).

Kurz danach ging es in die Kabinen, wo Andreas Schlosser sowohl Kaupert als auch den Gelb-Rot gefährdeten Felix Messerschmidt runter nahm und mit Alexander Berger und Erik Meske zwei frische Leute brachte.

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel immer intensiver und Schiedrichter Hartung hatte alle Hände voll zu tun, das Geschehen unter Kontrolle zu behalten. Der TSV stand tief in der eigenen Hälfte und lauerte auf seine Konterchancen. Die Bierdörfler versuchten ihrerseits, die Rackwitzer immer wieder durch frühes Nachsetzen im Spielaufbau zu stören.

Marco Wünsch scheitert per Elfmeter

Schließlich war es Nico Müller, der die turbulente Schlussphase eröffnen sollte: Bei einem eigentlich harmlosen langen Ball setzte er zum Erstaunen von TSV-Keeper Danny Matyniak im Rackwitzer Strafraum nach und wurde dabei vom Rackwitzer Hüter zu Fall gebracht.

Schiri Hartung stand diesmal gut und zeigte sofort auf den Punkt. Zum Entsetzen der Bierdörfler schoss Marco Wünsch den folgenden Strafstoß aber nicht ins Tor, sondern nur an die Querlatte (70.).

Doch der verschossene Elfmeter wirkte wie ein Hallo-Wach-Signal für beide Teams, denn von nun an wurde es ein Spiel mit offenem Visier.

Rackwitzer Doppelschlag schockt den FSV

Als der TSV per Doppelschlag auf 2:0 davon zog, schien es um den FSV geschehen. Zunächst überwand Martin Esche den nach einem langen Pass etwas zu spät aus seinem Tor eilenden Tom Röthel per Lupfer (75.).

Und kurz darauf traf der eingewechselte Steven Kellert nach einem indirekten Freistoß per Sonntagsschuss ins Tor (78.). Die Bierdörfler schienen geschlagen, zumal Rackwitz nach einer Ecke auch noch die große Chance auf das 3:0 hatte, Tom Röthel diesmal aber stark parierte (80.).

Andreas Schlosser zog seinen letzten Joker und wechselte Frank Reithe ein, der im Sturmzentrum mit seiner Kopfballstärke die Wende erzwingen sollte.

Drei Standardsituationen drehen das Spiel

Reithe war kaum im Spiel, als ein 30-Meter-Freistoß von Steven Thoß nur knapp über seinen Kopf segelte und am verdutzten TSV-Keeper vorbei im Rackwiter Kasten einschlug (82.).

Ging da vielleicht doch noch was? Der FSV setzte jetzt alles auf eine Karte und wurde nur fünf Minuten später für seinen Einsatz belohnt. Erneut traf Thoß, diesmal nach einem Freistoß von Marco Wünsch (87.).

Die Rackwitzer kamen überhaupt nicht mehr aus der eigenen Hälfte und der FSV witterte die Sensation. Als Mario Göbel in der zweiten Minute der Nachspielzeit erneut nach einem Wünsch-Freistoß am schnellsten schaltete und den Ball über die Linie drückte, kannte der Jubel im Krostitzer Lager kein Halten mehr (90.+2).

Selten zuvor hatte man im Kurt-Fuchs-Stadion eine so große Freude erlebt, wie nach diesem 3:2-Siegtreffer, der zeigte, dass die Mannschaft doch noch lebt. Jetzt gilt es, diese Euphorie ins nächste Spiel gegen den ESV Delitzsch III mitzunehmen, um dem bislang noch ungeschlagenen Tabellenführer der Kreisliga A vielleicht doch ein Unentschieden abzutrotzen.

Martin Hoffmann

Spielstatistik FSV Krostitz II – TSV Rackwitz:

Torschützen:
0:1 Esche (75.), 0:2 Kellert (78.), 1:2 Thoß (82.), 2:2 Thoß (88.), 3:2 Göbel (90.+2)

Bes. Vorkommnis:
Wünsch (Krostitz) schießt Foulelfmeter an die Latte (70.)

Gelbe Karten:
Messerschmidt, Kaupert, N. Müller – Wendt, Kuhn

Aufstellungen:
FSV:
Röthel – Beschnidt – Schurig, Ackermann – Messerschmidt (46. Berger), Thoß – Kaupert (46. Meske), Behrens (81. Reithe) – Wünsch, Göbel, N. Müller

TSV: Matyniak – Barthelmann – Hess, Mundt – Wendt, Esche, Röhrborn, Haut, Tettenborn – Engst (Kellert), Losse (Kuhn)

Zuschauer:
120

Schiedsrichter:
Hartung (Leipzig), Hager (Pohritzsch), Christian Jordan (Delitzsch)

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