
Harte Zweikämpfe, drei Platzverweise und jede Menge Torchancen: Das Spiel der Zweiten in Zschortau hatte alles, was ein Fußballspiel braucht. Nur leider reichte es für den FSV am Ende nicht einmal zu einem Unentschieden.
Nach dem Erfolgserlebnis im Pokal gegen den FC Eilenburg II wollte die Schlosser-Elf auch am Samstag in Zschortau gewinnen. Das Hinspiel hatten die Bierdörfler mit 2:0 für sich entschieden und so fuhr man selbstbewusst ins Nachbardorf. Allerdings fehlten mit Beschnidt, Meske, Dillner, Messerschmidt, Berger und Reithe wieder jede Menge Stammkräfte, so dass erneut drei Spieler der Alten Herren aushelfen mussten – und sogar Trainer Andreas Schlosser als Ersatzspieler auf der Bank Platz nahm.
Bei heftigem Wind begann die Partie dann auch dementsprechend zerfahren. Beide Mannschaften tasteten sich zunächst ab und kamen kaum einmal in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Die erste Chance des Spiels hatte dann Martin Hoffmann, der nach einer Ecke sechs Meter vor dem Kasten an den Ball kam und die Kugel in Richtung Zschortauer Tor drückte, wo ein SG-Verteidiger das Leder aber noch von der Linie kratzte (7.).
Kurz darauf machte es die SG auf der Gegenseite besser: Nach einem leicht abgefälschten Freistoß, den FSV-Keeper Tom Röthel nur abklatschen konnte, schaltete Sebastian Wünsch im Strafraum am schnellsten und schob die Kugel durch die Beine von Thomas Schurig zum 1:0 in die Maschen (13.).
Steven Thoß dreht den frühen Rückstand
Der FSV musste nun reagieren und tat das in bravouröser Manier. Mit dem böigen Wind im Rücken kamen die Bierdörfler immer häufiger zu Torchancen. Vor allem nach Standardsituationen war die Schlossser-Elf gefährlich. Nachdem sich zunächst Michael Pertzsch zweimal versucht hatte, war es schließlich Stephen Thoß, der die Kugel aus 19 Metern mit links über die Mauern am verdutzten Zschortauer Keeper in die Maschen schlenzte (22.).
Nur fünf Minuten später war es erneut Thoß, der einen mustergültigen Angriff zum 2:1 abschloss. Einen weiten Ball von Michael Pertzsch erlief Mario Göbel, der sich dann gut gegen einen SG-Verteidiger behauptete und die Kugel quer zur Grundlinie nach innen passte. Am kurzen Pfosten ließ Tony Seidel schön durch, so dass Thoß, der in der Mitte völlig allein gelassen war, nur noch den Fuß hinhalten brauchte (28.).
Jetzt hatte der FSV endgültig Oberwasser und versuchte, auf das 3:1 zu spielen – was leider bis zum Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Kusber nicht mehr gelang. Nach der Pause zeigte sich dann plötzlich ein völlig anderes Spiel. Jetzt war es Zschortau, das mit dem Wind im Rücken immer wieder in Richtung Krostitzer Tor drängte.
Krostitz mit Chancen zum 3:1
Aber die Bierdörfler verteidigten den knappen 2:1-Vorsprung routiniert und als André Zimmer nach 70 Minuten wegen Ballwegschlagens mit Gelb-Rot vom Platz musste, deutete eigentlich alles auf einen Sieg der Krostitzer hin, die sogar Chancen zum 3:1 hatten. Die beste Möglichkeit vergab erneut Martin Hoffmann, der nach einem weiten Einwurf des eingewechselten Mirko Müller im Zschortauer Strafraum an den Ball kam, die Kugel aber deutlich am Kreuzeck vorbei setzte (72.).
Auf der Gegenseite zeigte Tom Röthel im Krostitzer Tor mehrfach sein Können gegen die SG-Stürmer – und leider hatte an diesem Nachmittag auch noch der Schiedsrichter ein Wörtchen mitzureden.
Nachdem er den ersten Durchgang noch souverän geleitet hatte, verlor der Unparteiische in den zweiten 45 Minuten völlig die Linie, pfiff nahezu jeden Zweikampf ab, verteilte Gelbe Karten nach Belieben und brachte dadurch erst so richtig Pfeffer in die bis dahin nie unfaire Partie.
Völlig unverständlich zum Beispiel die Situation, als Daniel Pawlowsky einen Freistoß 25 Meter vor dem eigenen Tor schnell ausführen wollte, und dabei einen unmittelbar vor ihm stehenden Zschortauer, der den Ball bewusst blockierte, anschoss. Statt einer Gelben Karte hatte Kusber nur ein müdes Lächeln übrig und ließ die Partie einfach weiterlaufen. Zum Glück schaltete Pawlowsky schnell genug um und verhinderte mit einem sehenswerten Tackling im eigenen Strafraum gerade noch den Ausgleich (75.).
Mike Reichstein trifft zum Ausgleich
Kurz darauf war aber auch Pawlowsky machtlos: Kusber pfiff einen Freistoß für Zschortau auf der rechten Krostitzer Abwehrseite, Mike Reichstein legte sich die Kugel zurecht und noch eher der Schiedsrichter das Spiel wieder angepfiffen hatte, rammte Andreas Dauer im Sechzehner seinem Gegenspieler Thomas Schurig den Ellenbogen gegen den Oberkörper, so dass dieser rückwärts umfiel.
Statt das Spiel zu unterbrechen und Dauer für sein klares Foul zu bestrafen, gab Kusber den Freistoß frei. Die Kugel segelte genau durch die Stelle, an der kurz zuvor noch Thomas Schurig gestanden hatte, und senkte sich am langen Pfosten zum 2:2 ins Netz (80.). Alle Proteste der Krostitzer halfen nicht – stattdessen wurde es kurz darauf noch schlimmer.
Denn nach 84 Minuten stellte Kusber FSV-Kapitän Martin Hoffmann vom Platz, nachdem dieser angeblich seinen Gegenspieler angespuckt haben sollte. Dass weder die Zschortauer Spieler, noch Kusbers Assistenten auch nur eine Annäherung des ominösen “Flugkörpers” in Richtung Gegner gesehen hatten, konnte den Krostitzern jetzt auch nicht mehr helfen.
Tom Röthel patzt in der Schlussminute
Denn die Zschortauer drückten mit Windunterstützung nun auf das Krostitzer Tor und wollten unbedingt noch den Siegtreffer. Wie schon zuletzt gegen Eilenburg kämpften die Bierdörfler aber klasse und hätten das Unentschieden mit dem eingewechselten Andreas Schlosser beinahe über die Zeit gerettet.
Aber in der ersten Minute der Nachspielzeit segelte eine Flanke von der rechten Seite in den FSV-Strafraum, die Tom Röthel am langen Pfosten nicht festhalten konnte, so dass Michael John sich per Abstauber mit dem Treffer zum 3:2 bedankte (90.+1).
Den Schlusspunkt unter eine denkwürdige Partie setzte dann erneut Schiedsrichter Kusber, der in der Nachspielzeit den Zschortauer Martin Sonntag ebenfalls mit Rot vom Platz schickte, nachdem dieser an der Mittellinie Daniel Pawlowsky von hinten per Monstertackling in die Parade gefahren war (90.+3).
Drei Platzverweise und fünf Gelbe Karten
Fazit: Trotz einer, angesichts der schwierigen äußeren Umstände und des dritten Pflichtspiels innerhalb von nur sieben Tagen, guten Leistung standen die Bierdörfler am Ende mit leeren Händen da.
Dabei muss sich die Schlosser-Elf aber eigentlich keine Vorwürfe machen, denn unter normalen Umständen und ohne die Fehlentscheidungen des Schiedsrichterkollektivs wäre gegen enttäuschende Zschortauer wohl mindestens ein Remis drin gewesen.
So aber setzte es die erste Pflichtspiel-Niederlage im neuen Jahr und der FSV muss den Blick weiter nach unten in Richtung Abstiegszone richten, wo Naundorf und Radefeld in der Rückrunde fleißig Punkte sammeln.
Martin Hoffmann
Torfolge:
1:0 Wünsch (13.), 1:1 Thoß (22.), 1:2 Thoß (28.), 2:2 Reichstein (80.), 3:2 John (90.+1)
Platzverweise:
Zimmer (Gelb-Rot, 70., Ballwegschlagen)
Hoffmann (Rot, 84., versuchtes krass sportwidriges Verhalten)
Sonntag (Rot, 90.+3, grobes Foulspiel)
Gelbe Karten:
Reichstein, Zimmer, Haase – Pertzsch, Stephan
Aufstellungen:
FSV: Röthel – Pawlowsky – Schurig, Kaupert – Hoffmann – Kolawski, Thoß, Stephan (63. Schlosser), Pertzsch – Göbel, Seidel (53. M. Müller)
SGZ: Schütze – Seifert (46. Sonntag), Dauer, Haase, Handtke, John, Reichelt, Wünsch (90.+3 Haase), Zimmer, Reichstein, Prior (70. Möller)
Schiesdrichter:
Daniel Kusber // Christian Jordan // Marco Gabriel
Zuschauer:
80